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Kraniche auf Stoppelfeld zwischen Nisdorf und Günz

Herbstzeit ist Kranichzeit!

Jeden Herbst (ca. Ende August bis Anfang November) ziehen zehntausende Kraniche von Ihren Brutgebieten in Schweden nach Südfrankreich und Spanien. Bevor sie den langen Flug antreten, machen sie für einige Wochen Station an der Vorpommerschen Boddenküste - also genau bei uns "vor der Tür" vom Familienhotel Gut Nisdorf.

Morgens und Abends fliegen jeweils grosse Kranichverbände direkt über Gut Nisdorf von bzw. zu ihren Rastplätzen. In unmittelbarer Nähe (zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar) befinden sich vier geschützte Beobachtungsstationen (Utkieks).

Kranichbeobachtung an der Ostsee Kranich im Portrait - Familienhotel Gut Nisdorf Kraniche im Flug - Ostsee Boddenküste

Der Graukranich, auch Grauer oder Eurasischer Kranich genannt, (wissenschaftlicher Name Grus grus) erreicht aufrechtstehend eine Größe von ca. 1,20 Meter. Damit ist er deutlich größer als Graureiher und Weißstorch. Mit einer Flügelspanne von 2,20 Meter kann er sich darin mit manchem Adler messen. Im Flug ist der Kranich an seinem langen, gerade vorgestreckten Hals zu erkennen. Die Beine sind so lang, dass sie den Schwanz beim Fliegen weit überragen.

Vom grauen Gefieder heben sich deutlich die schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung und die rote federlose Kopfplatte ab. Letztere schwillt bei Erregung leuchtend rot an. Der schönste Schmuck des Kranichs ist seine "Schleppe". Diese über den kurzen Schwanz herabhängenden Federn sind die verlängerten Armschwingen der Flügel, die im Erregungszustand und während der Balz buschig aufgestellt werden. Der Vogel erscheint dann noch größer und majestätischer.

Schmetternde Trompetenrufe

Der althochdeutsche Name des Vogels "cranuh" ahmt lautmalerisch seine trompetentonartigen Rufe nach. Das laute "Trompeten" ist ein unverwechselbares Merkmal des Kranichs. Im offenen Gelände und je nach Witterung sind rufende Altvögel zwei Kilometer und weiter zu hören. Ihr gewaltiges Stimmvolumen verdanken sie dem besonderen Bau und der enormen Länge ihrer Luftröhre, die das Brustbein als Doppelschlinge durchzieht. Sie kann bis zu 1,30 Meter messen. Jungvögel - erkennbar am helleren, graubraunen Kopf - lassen dagegen nur ein hohes Fiepen hören.

Vogelzug durch Nordvorpommern

Das Brutgebiet des Kranichs reicht von der Elbe in Deutschland über Skandinavien, das Baltikum, Polen, die Ukraine, Weißrussland und Russland bis nach Asien.

In Europa brüten insgesamt etwa 50.000 Kranichpaare, ca. 80% davon in Skandinavien. Ab Anfang August finden sich die einheimischen Brutpaare mit ihrem Nachwuchs an den sogenannten Sammelplätzen ein, die im Abstand von 20 bis 50 Kilometer über das Verbreitungsgebiet verteilt sind. Zuerst kommen die Junggesellen und Paare ohne Bruterfolg, anschließend die Brutpaare mit ihren Jungen. Ab Septem­ber erhalten sie Verstärkung von durch­ziehenden Kranichen aus nordischen und östlichen Brutgebieten. Sie verweilen zusammen mit den heimischen Kranichen an Sammelplätzen oder unterbrechen ihren Zug an Rastplätzen.

Der bedeutendste Rastplatz in Deutsch­land mit mehreren zehntausend Kranichen befindet sich an der Ostsee­küste in der Rügen-Bock-Region. Das Zentrum eines Rast- oder Sammel­platzes bilden ein oder mehrere Schlafplätze. Sie befinden sich in Gewässern mit Flachwasserbereichen, in denen die Kraniche nachts stehend schlafen. Tagsüber suchen die Tiere auf nahegelegenen Ackerflächen nach Nahrung.

Zwischen Ende Oktober und Anfang November ziehen die Kraniche aus Mitteleuropa ab. In milden Wintern bleiben gelegentlich kleinere Kranichtrupps in Deutschland. Wegen des Klimawandels ist diese Tendenz stark zunehmend.

(Fotos von Halid Banda und Klaus Roth, aufgenommen am Beobachtungspunkt Günz, 2 km von Nisdorf)